, Jakob Marina

Feldkirchs Youngstar Julia Marte überzeugt mit nur 17 Jahren in der 1. Bundesliga

Trainer Zoltán Balogh über Julia Marte: „Sie wurde ins kalte Wasser geworfen – und sie schwimmt“

Nachdem die bisherige Torhüterin den Verein mit sofortiger Wirkung aus privaten und persönlichen Gründen verlassen hat, musste Feldkirch rasch reagieren. Viel Zeit für Übergangslösungen blieb nicht. Trainer Zoltán Balogh traf eine klare Entscheidung – und setzte auf Eigenbauspielerin Julia Marte, Jahrgang 2008, erst seit einem Jahr im Tor.

„Für mich war relativ schnell klar, dass Julia das kann“, sagt Balogh. „Natürlich ist es in der 1. Bundesliga keine einfache Aufgabe, vor allem nicht mit 17 Jahren. Aber Talent allein ist es nicht. Sie bringt Mut, Disziplin und Lernbereitschaft mit.“

Dass sie von Beginn an jedes Spiel über die vollen 60 Minuten bestreitet, sei kein Zufall. „Wir wollten ihr von Anfang an das volle Vertrauen geben. Wenn man eine junge Spielerin bringt, dann nicht halbherzig. Sie sollte spüren, dass wir als Trainerteam, als Mannschaft und als Verein geschlossen hinter ihr stehen. Genau dafür steht Feldkirch – junge Talente aus der eigenen hervorragenden Nachwuchsarbeit bekommen echte Chancen und werden getragen.“

Die Umstellung vom Flügel ins Tor sei sportlich wie mental enorm. „Im Tor bist du exponiert. Jeder Fehler ist sichtbar. Aber sie bleibt ruhig. Sie denkt immer an den nächsten Ball, nicht an den letzten.“

Besonders hebt Balogh ihre Entwicklung hervor. „Wenn man bedenkt, dass sie erst seit einem Jahr im Tor steht, ist das bemerkenswert. Sie lernt extrem schnell. Ihre Reaktionsfähigkeit, ihr Spielverständnis aus der Zeit als Feldspielerin – das hilft ihr.“

Auch die Integration ins Bundesliga-Niveau verlief schneller als erwartet. „Das Tempo ist höher, die Würfe sind präziser und härter. Aber sie hat sich Schritt für Schritt angepasst. Mit der Unterstützung der Abwehr ist sie gewachsen.“

Für Balogh ist klar: Diese Phase ist mehr als nur eine Übergangslösung. „Solche Situationen sind im Sport Chancen. Sie hat diese Chance angenommen. Und sie entwickelt sich weiter.“

Vom Flügel ins Tor, von der Nachwuchsspielerin zur Bundesliga-Stammkraft.
Für Trainer Zoltán Balogh ist klar: „Das ist erst der Anfang.“

Wie erlebt Julia Marte selbst diese rasante Entwicklung vom Flügel ins Bundesliga-Tor? Wie fühlt sich Verantwortung mit 17 Jahren an – und was bedeutet ihr das Vertrauen des Vereins? Die junge Torfrau spricht über Druck, Teamgeist und ihren ganz persönlichen Weg in der 1. Bundesliga.

Interview mit Julia Marte

"Julia, vor einem Jahr warst du noch Flügelspielerin mit der Nummer 13. Jetzt stehst du mit der Nummer 1 im Tor der Damen 1 in der 1. Bundesliga. Hast du realisiert, wie außergewöhnlich dieser Weg ist?"
"Ehrlich gesagt erst nach und nach. Es ging alles sehr schnell. Wenn mir Leute im Verein oder im Umfeld sagen, wie stolz sie sind, dann wird mir bewusst, was eigentlich passiert ist."

"Du spielst jedes Spiel 60 Minuten. Wie gehst du mit der Verantwortung um?"
"Die Bundesliga ist intensiver, jede Aktion zählt. Aber ich fühle mich nicht allein verantwortlich. Unsere Abwehr arbeitet unglaublich stark mit mir zusammen – dieses Vertrauen im Team nimmt viel Druck weg."

"Wann hast du gemerkt, dass du wirklich angekommen bist?"
"Beim Heimspiel gegen Tulln, als ich in der Starta
ufstellung stand. Die Halle, die Stimmung, die Verantwortung – da habe ich gespürt, dass ich jetzt Teil davon bin. Und dann habe ich einfach gespielt."

"Wie groß ist der Unterschied zur U18?"
"Das Tempo ist höher, die Würfe sind präziser und härter. Aber weil ich früh bei den Damen mittrainieren durfte, konnte ich mich Schritt für Schritt daran gewöhnen. Das war extrem wichtig."

"Gab es Zweifel, als du so kurzfristig in diese Rolle gekommen bist?"
"Respekt ja, Zweifel nein. Ich wurde gut vorbereitet und habe vom ersten Moment an gespürt, dass der Verein und das Team hinter mir stehen."

"Was bedeutet dir das Vertrauen von Trainer und Verein?"
"Sehr viel. Feldkirch gibt jungen Spielerinnen echte Chancen. Dieses Vertrauen motiviert mich, jeden Tag noch mehr zu investieren."

"Hilft dir deine Vergangenheit als Feldspielerin?"
"Auf jeden Fall. Ich erkenne Wurfbilder schneller und verstehe Spielsituationen anders. Das hilft mir enorm."

"Was zeichnet dich aktuell im Tor aus?"
"Ich gebe nicht auf. Ich versuche, Ruhe auszustrahlen und dem Team Sicherheit zu geben."

"Woran möchtest du noch arbeiten?"
"Fehler schneller abhaken und emotional noch konstanter bleiben. Ich will mich von Spiel zu Spiel weiterentwickeln."

"Was war dein bisher emotionalster Moment?"
"Die Auszeichnung als beste Spielerin gegen MGA und der Sieg gegen Krems. Aber vor allem die Unterstützung von Team, Trainer und dem ganzen Verein – das bedeutet mir am meisten."

"Vermisst du den Flügel?"
"Es waren zehn schöne Jahre. Aber im Tor fühle ich mich aktuell genau dort, wo ich sein soll."